Fachbeiträge

Bürokratieentlastung

Am 30.03.2017 hat der Bundestag ein zweites Bürokratieentlastungsgesetz beschlossen mit dem sich der Bundesrat voraussichtlich am 12.05.2017 abschließend befasst.

Wesentliche Punkte:


Anhebung der Grenze für Kleinbetragsrechnungen von EUR 150 auf EUR 250:
Bei der Umsatzsteuer benötigen Kleinbetragsrechnungen nur - den vollständigen Namen und Anschrift des leistenden Unternehmers - ein Ausstellungsdatum - Menge und Art der gelieferten Gegenstände oder Umfang der sonstigen Leistung und das Entgelt zzgl. der Umsatzsteuer in einer Summe (Bruttobetrag) sowie den Ausweis des Steuersatzes bzw. einen Hinweis auf die Steuerbefreiung.
Kleinbetragsrechnungen müssen nicht den Nettorechnungs- und Umsatzsteuerbetrag gesondert ausweisen. Darüber hinaus entfallen Angaben über den Leistungsempfänger (!), ein Hinweis zum Zeitpunkt der Lieferung oder sonstigen Leistung sowie die Steuernummer und fortlaufenden Rechnungsnummer. 

Hinweis:
Die Neuregelung soll rückwirkend zum 01.01.2017 in Kraft treten. Der Empfänger wird es beim Kleinbetragseinkauf  mit der Sicherstellung seines Vorsteuerabzugs zukünftig etwas leichter haben, wird er beim Abgebenden nun weniger häufig nach einer vollständigen Rechnung i.S. des Umsatzsteuergesetzes nachfragen müssen.
In einem ersten Entwurf sollte die Kleinbetragsgrenze nur auf EUR 200 angehoben werden.

Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) auf EUR 800 oder EUR 1.000?
Leider noch nicht beschlossen (hierzu ein früherer Fachbeitrag). Angehoben wurde lediglich die Untergrenze zur Geltendmachung der Sofortabschreibungen von derzeit EUR 150 auf EUR 250 ohne besondere Aufzeichnungspflichten.

Hinweis:
Es bleibt also abzuwarten, was aus der Anhebung der GWG-Grenze wird. Das “wegbuchen“ geringfügiger Wirtschaftsgüter bis EUR 250 dürfte nur einen geringfügigen Entlastungseffekt haben; zudem gilt diese Änderung erst ab 01.01.2018.

Verkürzung der steuerlichen Aufbewahrungsfrist von Lieferscheinen:
Bisher sind Lieferscheine auch dann aufzubewahren, wenn sich die Angaben aus den Rechnungen ergeben. Künftig kann auf die Aufbewahrung verzichtet werden, wenn der Inhalt der Lieferscheine in den Rechnungen entsprechend dokumentiert ist.

Hinweis:
Die Regelung tritt rückwirkend zum 01.01.2017 in Kraft. Erfolgt bei der Rechnung nur  ein Verweis auf die Lieferscheine, werden diese Bestandteil der Rechnung und sind somit auch künftig 10 Jahre  aufzubewahren (häufig bei Sammelrechnungen).

Kurzfristig beschäftigte Arbeitnehmer:
Die Pauschalierung der Lohnsteuer mit 25% ist bei kurzfristig Beschäftigten nur möglich, wenn der gegenwärtige Arbeitslohn EUR 68,00 nicht übersteigt. Bei 8 Stunden täglich entsprach dieser Betrag dem bisherigen Mindestlohn von EUR 8,50. Weil der Mindestlohn zum 01.01.2017 bekanntlich auf EUR 8,84 aufgestockt wurde, wurde auch die durchschnittliche Tageslohngrenze auf EUR 72,00 erhöht; der Vorteil der Pauschalierungsregelung bleibt somit erhalten.

Hinweis:
Der Gesetzgeber hat sich noch etwas „Platz gelassen“. Eigentlich hätten schon EUR 71 gereicht. Beim Nachrechnen verbleiben 16 Cent Stundenlohn…

Vereinfachende Berechnung von Sozialbeiträgen:
Nunmehr ab 01.01.2017 für alle Arbeitgeber. Beiträge zur SV sind am drittletzten Bankarbeitstag des Monats fällig, in dem die Beschäftigung ausgeübt wird. Mit dieser ab 2006 eingeführten Regelung konnten die Sozialversicherungsträger im Umstellungsjahr einmalig 13 Monatsbeiträge vereinnahmen, verbunden mit der Konsequenz für die Arbeitgeber, im Zahlungsmonat nicht feststehende Arbeitslöhne zu schätzen und Korrekturen im Folgemonat vorzunehmen zu müssen.
Hieran wird sich auch nichts ändern! An Stelle der (aufwändigen) Schätzung der Beiträge im laufenden Monat können (Wahlrecht) die tatsächlichen Beitragswerte des Vormonats zugrunde gelegt werden. Differenzen werden wiederum im Folgemonat ausgeglichen.
gh