Fachbeiträge

Erhöhte Absetzungen bei Gebäuden in Sanierungsgebieten, städtebaulichen Entwicklungsbereichen und Baudenkmälern

Um bei  diesen Objekten in den Genuss der attraktiven Sonderabsetzungsbeträge zu kommen, wird eine Bescheinigung der zuständigen Gemeindebehörde vorausgesetzt. Hat sich hier etwas geändert?

Bei vermieteten Objekten beträgt die Sonderabschreibung 8 Jahre zu je 9% und 4 Jahre zu je 7%; somit werden nach 12 Jahren 100% der begünstigten Herstellungs- oder Anschaffungskosten abzugsfähig. Bei eigengenutzten Objekten tritt an die Stelle der Sonderabschreibung ein Absetzungsbetrag von 90% der begünstigten Aufwendungen der gleichmäßig auf 10 Jahre zu verteilen ist.

Der Entscheidung des Bundesfinanzhofes vom 6.12.2016 (Az.: IX R 17/15) lag folgender Sachverhalt zugrunde:

Die Steuerpflichtige erwarb ein Wohnhaus für EUR 1 (!!) und errichtete unter Beibehaltung des Kellers und Teile der Fassade ein Wohnhaus, welches sie vermietete und in einem (geringen) Umfang auch selbst nutzte. Die Gemeindebehörde bescheinigte unter anderem, dass das Gebäude in einem  Sanierungsgebiet belegen war und Modernisierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen an diesem durchgeführt wurden.

Das Finanzamt lehnte Abschreibung und Abzugsbetrag ab, da ein Neubau errichtet wurde. Wie schon in der Vergangenheit führt der BFH aus: die Gemeindebehörde bescheinigt abschließend und bindend, ob die hier in § 7h (1) EStG genannten Voraussetzungen vorliegen und damit, ob Modernisierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen gemäß § 177 Baugesetzbuch( BauGB) durchgeführt wurden. Das Finanzamt ist an diese Feststellungen gebunden, auch wenn es sich bautechnisch um einen Neubau handeln sollte.

Somit ein „profitables“ Ergebnis für die Steuerpflichtige. 

ABER

gleichwohl wurde die gewünschte Steuerbegünstigung nicht gewährt…

da durch die unterschiedliche Nutzung des Gebäudes (hier Vermietung und Eigennutzung)  die Bescheinigung hätte “objektbezogen“ ausgestellt werden müssen. Konkret, es wären zwei Bescheinigungen erforderlich gewesen, da es sich bei der fremdvermieteten und der eigengenutzten Wohnung um jeweils selbständige unbewegliche Wirtschaftsgüter handelt.

Hinweis:
Eine Bescheinigung auf das Gebäude als Gesamtheit reicht demnach nicht aus. Ein selbständig unbewegliches Wirtschaftsgut würde auch vorliegen, wenn z.B. eine eigengewerbliche Nutzung hinzutritt. Dann wären bereits drei Bescheinigungen erforderlich. Mehrfachbescheinigungen werden auch bei Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, notwendig werden.
gh