Fachbeiträge

Mietzahlungen für die Unterkunft eines studierenden Kindes.

Eine Medizinstudentin machte Kosten für ihr Studium als vorweggenommene Werbungskosten wegen zukünftiger Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit geltend. Darunter Aufwendungen für eine Maklerprovision und Anmietung der Wohnung.

Das Finanzgericht Niedersachsen (Urteil vom 25.02.2016-1 K 169/15) hat den Werbungskostenabzug dem Grunde nach zugelassen, da eine abgeschlossene Berufsausbildung als Tierarzthelferin vorausgegangen war. Es sah eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Klägerin nach Abschluss des Medizinstudiums eine nichtselbständige Tätigkeit (z.B. als Assistenzärztin) ausüben wird und somit einen ausreichenden Zusammenhang mit späteren Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit.

Das eigentliche Problem bestand in der Berücksichtigung der Maklerkosten und Miete für die Wohnung. Da die Studentin über keine Einkünfte verfügte, wurden die Mietverträge zwischen der Vermieterin und dem Vater der Studentin geschlossen. Dieser zahlte auch Maklerkosten und Mieten.

Aufwendungen eines Dritte finden beim Empfänger steuerliche Berücksichtigung, wenn ein abgekürzter Vertrags- oder Zahlungsweg vorliegt.

Ein abgekürzter Zahlungsweg ist gegeben, wenn der Zuwendende einvernehmlich die Schuld des Empfängers tilgt, statt ihm den Geldbetrag unmittelbar zu überlassen.

Etwas anders ist es beim abgekürzten Vertragsweg. Hier hat der Vater einen eigenen Vertrag abgeschlossen und aufgrund dessen seine eigene geschuldete Zahlung geleistet. Wenn er aber für die Empfängerin (Tochter) einen Vertrag abschließt und die Zahlungen mit Zuwendungswillen leistet, können sie ebenfalls als Werbungskosten berücksichtigt werden. 

Allerdings werden die  Grundsätze des abgekürzten Vertragsweges von der Rechtsprechung nicht bei Dauerschuldverhältnissen angewandt. Dies führte zu dem eigenartigen Ergebnis, dass die Zahlung der Maklerprovision, nicht aber die Mietzahlungen als Werbungskosten bei der Tochter anerkannt wurde. Das Finanzgericht hatte wegen der unterschiedlichen Beurteilungen die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen, die Entscheidung ist aber rechtskräftig geworden.

Hinweis:

Die Anmietung einer Wohnung für ein einkommensloses Kind bereitet sicher schon außer- steuerlich betrachtet einige Probleme. Grundsätzlich wäre es vorteilhaft, dass die in Ausbildung oder Studium befindlichen Kinder selbst ein Mietverhältnis begründen. Die zahlungswilligen Eltern können sich dann gegenüber den Vermietern zur Zahlung der Mieten verpflichten (Bürgschaft). Sie tilgen die Schuld des Kindes (abgekürzter Zahlungsweg).
gh