Fachbeiträge

Privatnutzung eines Firmenfahrzeuges: Übermaßbesteuerung durch „vereinfachende“ 1%-Regelung

Die 1% - Regelung darf angewandt werden, wenn ein Firmenfahrzeug zu mehr als 50% betrieblich genutzt wird. Liegt die zur Privatnutzung (fiktiv) ermittelte 1%ige Einnahme über den tatsächlichen Kosten, kommt es zur Überbesteuerung.

Dem stimmte auch der Bundesfinanzhof in seinem Urteil vom 15. Mai 2018 (Az. X R 28/15) zu. Verweist dann aber auf die Möglichkeit, einer Überbesteuerung durch die Führung eines Fahrtenbuches, entkommen zu können.

Aber: der Steuerpflichtige hat hiergegen Verfassungsbeschwerde eingelegt!  Sie ist unter dem Az. 2 BvR 2129/18 anhängig.

Beispiel:

Der Bruttolistenpreis eines Fahrzeuges beträgt incl. USt EUR 71.400, die fiktive Einnahme  p.a. somit EUR 8.568 (Umsatzsteuer kommt noch hinzu – brutto/brutto).

Da das Fahrzeug bereits abgeschrieben ist oder als Gebrauchtfahrzeug nur geringe Abschreibungswerte ausweist, belaufen sich die Gesamtkosten auf nur EUR 4.000. Das Finanzamt mindert den fiktiven Ansatz von EUR 8.568 auf EUR 4.000; somit im Ergebnis keine steuerlich abzugsfähigen Fahrzeugkosten (Kostendeckelung).

Da die 1%-Regelung von einer mehr als 50%igen betrieblichen Nutzung ausgeht, müssten  aber auch 50% von EUR, 4.000 somit EUR  2.000 zum Betriebsausgabenabzug führen.

Hinweise:
Würde das Fahrzeug nur (noch) zu 40% betrieblich genutzt werden, käme die 1%-Regelung nicht zur Anwendung. Ein Betriebsausgabenabzug von EUR 1.600 ist dann nach bereits geltender Rechtslage anzuerkennen.

Die 1%-Regelung führt nicht zwingend zu einem Jahresansatz von 12%. Macht der Steuerpflichtige glaubhaft, dass er sein Firmenfahrzeug volle Monate nicht nutzt, entfällt jeweils das 1%.

Einspruch kann eingelegt, Antrag auf Ruhen des Verfahrens gestellt werden.
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