Fachbeiträge

Steuerliche Großzügigkeiten zu Betriebsveranstaltungen

Bei Betriebsfeierlichkeiten stellen Sachzuwendungen bis zur 110€-Grenze keinen steuerpflichtigen Arbeitslohn dar. Nach einem neuen Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) werden bei der Berechnung nur „konsumierbare Leistungen“ der Teilnehmer berücksichtigt.

Haben Angehörige an der Veranstaltung teilgenommen, wurde der auf sie entfallende Aufwand bislang dem Arbeitnehmer zugerechnet, sodass es leicht zur Überschreitung der 110€-Grenze kommen konnte. Der BFH vertritt nunmehr eine andere Ansicht. 

 

Die erste Entscheidung des BFH Az. VI R 94/10 betraf eine Großveranstaltung, bei der ein erheblicher Aufwand auf die Anmietung eines Stadions und der Organisation entfiel. Bereits die Herausrechnung dieser Aufwendungen führte zur Unterschreitung der 110€-Grenze. Es bestand somit kein weiterer Abgrenzungsbedarf zwischen den sogenannten konsumierbaren Zuwendungen der Arbeitnehmer und den nicht zu berücksichtigenden Kosten des sogenannten äußeren Rahmens. Die zum Besuch der Veranstaltung entstandenen erheblichen Reisekosten hat der BFH als beruflich veranlasste Reise (§ 3 Nr. 16 EStG) steuerfrei gelassen. Damit dürfte die Busreise von Leipzig nach Dresden zur dort stattfindenden Betriebsfeier zusätzlich steuerfrei bleiben.

In seiner weiteren Entscheidung Az. VI R 7/11 hat sich der BFH mit den teilnehmenden Familienangehörigen befasst. Zunächst werden die Gesamtkosten durch die Gesamtzahl aller Teilnehmer dividiert. Auch wenn danach die 110€-Grenze nicht erreicht wurde, konnte es beim Arbeitnehmer zur Steuerpflicht kommen, wenn ein Familienangehöriger teilnahm und dessen Kostenanteil dem Arbeitnehmer hinzugerechnet wurde (z.B. Kosten je Teilnehmer € 60, Arbeitnehmer mit einem Familienangehörigen € 120). Nunmehr sieht der BFH in der Teilnahme von Angehörigen ein ebenfalls vorrangiges betriebliches Interesse des Arbeitgebers. Somit unterbleibt zukünftig die Hinzurechnung.

Anmerkungen:
Bei aller „Großzügigkeit“ verbleiben doch einige Unsicherheiten. Wie werden sich Musikdarbietungen abgrenzen? Eine Hintergrundmusik wird man sicherlich dem steuerunschädlichen äußeren Rahmen zurechnen können. Aber wie verhält es sich bei einer Tanzkapelle oder der Einladung eines namhaften Künstlers.

Sicherlich ist ein Theaterbesuch bei der Berechnung der 110€-Grenze zu berücksichtigen.
Eine solche Veranstaltung könnte, da sie selbst einen marktgängigen Wert besitzt, auch wieder zu einer Hinzurechnung des Angehörigen-Kostenanteiles beim Arbeitnehmer führen.

Gestaltungsmöglichkeiten sind abzuwägen und gegebenenfalls durch eine Anrufauskunft bei den Finanzbehörden abzusichern (§42 EStG).

Hinweise:
Die 110€-Grenze hatte der BFH 2007 als noch angemessen betrachtet; gleichwohl bei den Finanzbehörden angeregt, eine Höherbemessung zu prüfen. Es bleibt auch dabei, dass die Freigrenze nur für zwei Veranstaltungen per anno zur Verfügung steht. Bei einer größeren Anzahl von Betriebsveranstaltungen oder bei Überschreitung der 110€-Grenze kann die anfallende Lohnsteuer im Wege der Pauschalierung mit 25% durch den Arbeitgeber übernommen werden (§ 40 Abs. 2 Nr. 2 EStG), es fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an!