Fachbeiträge

Die Umqualifizierung in gewerbliche Einkünfte (z.B. Ärzte) / Abfärbetheorie

Der BFH hatte (IV R 30/16 vom 06.06.2019) entschieden, dass eine Personengesellschaft durch Beteiligung an einer gewerblichen Mitunter- nehmerschaft ihre freiberuflichen Einkünfte ohne Bagatellgrenze gewerblich infiziert, dies jedoch zu keiner Gewerbesteuerpflicht führt.

Die Finanzverwaltung folgt dem nicht (Ländererlass vom 01.10.2020).

Im Gegensatz zu Einzelunternehmen besteht bei Personengesellschaften, die freiberuflich oder vermögensverwaltend tätig werden die Gefahr, dass ihre Einkünfte insgesamt in gewerbliche umqualifiziert werden können (Abfärbe- theorie).

Dies gilt bekanntlich, wenn neben den Kerntätigkeiten auch eine anderweitige, originäre gewerbliche Tätigkeit ausgeübt wird, wobei ab dem Jahre 2014 richterliche Bagatellgrenzen geschaffen wurden. 3 % des Gesamtumsatzes und ein Höchstbetrag von € 24.500 dürfen nicht überschritten werden.

oder

wenn die Gesellschaft als Obergesellschaft gewerbliche Einkünfte aus einer Mitunternehmerschaft bezieht (z.B. Fondsbeteiligungen in Rechtsform einer GmbH und Co. KG).

Im einem solchen Beteiligungsfall hatte der BFH (IV R 30/16) entschieden, dass ohne Anwendung der Bagatellgrenze (also immer) eine Umqualifizierung in gewerbliche Einkünfte erfolgt, diese aber nicht der Gewerbesteuerpflicht unterliegen, wenn sie gering sind.

Die Finanzverwaltung folgt dem (zunächst) nicht!

Hinweis:

Der Beteiligungsfall lässt sich vermutlich leicht dadurch lösen, dass der Beteiligungserwerb nicht durch die Gesellschaft, sondern durch die Gesellschafter erfolgt.

Durch das „Corona-Steuergesetz“ wurde die gewerbesteuerliche Anrechnung bei der Einkommensteuer auf das Vierfache des gewerbesteuerlichen Messbetrages erhöht. Unter Berücksichtigung des Solizuschlages, kommt es bei einem Hebesatz von 422 % (400 x 1,055) zur vollen Anrechnung auf die Einkommensteuer (selbstverständlich nur, wenn ausreichendes Einkommen- steuervolumen vorliegt).

Auch wenn sich hiernach die gewerbesteuerlichen Mehrbelastungen „im Rahmen“ halten, ist zu berücksichtigen:

  1. die Freiberuflergesellschaft wird häufig bilanzierungspflichtig werden
  2. sämtliche Wirtschaftsgüter gehören zum steuerlichen Betriebsvermögen. Insbesondere bei der vermögensverwaltenden Personengesellschaft bleiben Wertsteigerungen im Immobilienbereich dauerhaft steuerverstrickt.

gh